Keyline-Hochwasserschutzprojekt Hasendorf
Ein Modell für klimaresiliente Landwirtschaft und lokalen Hochwasserschutz
In Hasendorf (Gemeinde Sitzenberg-Reidling) wurde ein innovatives Hochwasserschutzprojekt umgesetzt, das landwirtschaftliche Flächen nach dem Keyline-Ansatz gestaltet. Auslöser war ein Starkregenereignis, bei dem eine Sturzflut aus einem Acker mehrere Gebäude im Dorf schwer beschädigte. Um solche Vorfälle zukünftig zu vermeiden, wurde bei den Planungen für ein Hochwasserschutzprojekt des Landes Niederösterreich Dr. Philipp Gerhardt (Baumfeldwirtschaft Agroforst & Keyline Design) miteingebunden.Es entstand ein Wässersystem mit Retentionsgräben, einem Rückhaltebecken und agroforstlicher Bepflanzung.
Besonderheit: Es handelt sich um das erste landwirtschaftliche Wässersystem nach dem Keyline-Ansatz in Österreich, das explizit dem Hochwasserschutz dient.
Umsetzung und Funktionsweise
Das Projekt kombiniert naturnahe Wasserlenkung, bodenaufbauende Landwirtschaft und gemeinwohlorientierte Nutzung:
- Wasserrückhalt durch Keyline-Strukturen:
- Retentionsgräben („Keylines“) folgen den Höhenlinien des Ackers und verlangsamen den Wasserabfluss. Niederschläge werden effektiv verteilt und gespeichert. Damit werden Grundwasserreserven vor Ort aufgefüllt und landwirtschaftliche Flächen sind besser gegen Dürreperioden gewappnet.
- Ein Rückhaltebecken am tiefsten Punkt fängt Überschüsse auf.
- Ergebnis: Das Wasser wird in der Fläche zurückgehalten, Erosion verhindert und der Gemeindekanal entlastet.
- Agroforstliche Bepflanzung:
- Bäume und Sträucher (z. B. Weiden, Pappeln, Holunder) werden in Reihen gepflanzt.
- Vorteile:
- Bodenregeneration durch tiefreichende Wurzeln.
- Erhöhung der Wasserspeicherfähigkeit des Bodens.
- Nebenerträge (Holz, Früchte, Futter).
- Förderung der Biodiversität (Lebensraum für Insekten, Vögel, Nützlinge).
- Praktische Bewirtschaftung:
- Die Strukturen sind maschinengängig – die landwirtschafltiche Nutzung bleibt erhalten.
- Langfristige Vorteile: Stabilere Erträge in Trockenjahren, weniger Erosion, gesündere Böden.
Bewährungsprobe: Starkregen im Juli 2026
Am 1. Juli 2026 fielen in Hasendorf innerhalb von 30 Minuten etwa 40 Liter Regen pro Quadratmeter – eine extreme Belastung für das System. Das Ergebnis:
- Die Keylines waren gut gefüllt und hatten den Starkregen vollständig aufgenommen.
- Das Rückhaltebecken blieb leer – kein Überlauf, keine Erosion.
- Fazit: Das System funktioniert und entlastet Dorf und Gemeindekanal spürbar.
Wissenschaftliche Begleitung und Förderung
Ab 2026 wird das Projekt im Rahmen eines österreichweiten Forschungsprojekts (EIP-AGRI) wissenschaftlich begleitet um übertragbare Planungsstandards und Entscheidungsgrundlagen für Betriebe zu erhalten.